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Pässe und Bergstraßen per Fahrrad

Mit dem Rennrad und dem Mountainbike
unterwegs auf einigen der berühmtesten Anstiege der Welt

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Mulhacen 3.482m

Der Mulhacen in der spanischen Sierra Nevada bildet gemeinsam mit dem unmittelbar benachbarten Pico del Veleta die höchste Erhebung der iberischen Halbinsel. Früher führte hier eine Fahrspur hoch, die mit dem Mountainbike zu bewältigen war. Heutzutage ist diese auf Satellitenbildern noch deutlich erkennbare Spur allerdings zunehmend verwittert, stark mit grobem Gestein übersät und teilweise kaum noch befahrbar. Und noch Schlimmer: Der im Nationalpark belegene Mulhacen ist mittlerweile ausdrücklich für Mountainbiker gesperrt (erst vor Ort bemerkt). Die hier beschriebene Tour hat sich zudem auch noch den falschen Termin Mitte Oktober unmittelbar vor dem ersten Wintereinbruch ausgesucht und musste daher kurz vor dem Gipfel abgebrochen werden.

Start: Capileira 1.450m
Höhenmeter bis Abbruch: 1.824m
Distanz bis Abbruch: 25km
Oktober 2017



Der Mulhacen wird von Süden angegangen mit Start in Capileira. Bis auf etwa 2.700m geht es mit moderater 7% Steigung gleichmäßig den Berg hinauf. Hier zweigt der Weg dann auf den alten Fahrweg zum Gipfel ab und wird dort mit rd. 13% deutlich steiler. Bis zum Gipfel überwindet man insgesamt mehr als 2.000 Höhenmeter. Wer es härter mag, kann noch weiter südlich in Orgiva starten und so die Strecke um weitere 1.000 Höhenmeter verlängern.


Auftakt im weißen Alpujarra-Bergdorf Capileira im diffusen Licht des frühen Morgens


Anfangs ist der Weg noch asphaltiert.


Die Wettervorhersage kündigt für die Mittagszeit einsetzenden starken Niederschlag an, der dann zwei Tage anhalten soll und sich oberhalb 3.000m als Schnee zeigt. Meine einzige Chance hochzukommen, besteht damit an diesem Vormittag.


Nach etwa drei Kilometern wird der Weg zur breiten Schotterpiste.


Kurvenreich geht es hinauf auf dem Camino de la Sierra. Die Wolken werden immer dunkler...


Der unbefestigte Weg führt noch etwa zehn Kilometer als öffentliche Straße bis zum Parkplatz Hoya del Portillo. Dort versperrt eine Schranke dem motorisierten Verkehr die Weiterfahrt. Wir fahren einfach vorbei.


Nach einigen Kilometern auf breiter Fahrspur kommt der Mulhacen erstmals in Sicht. Tatsächlich sieht man nur den niedrigeren Südgipfel. Der eigentliche Gipfel liegt noch minimal höher unmittelbar dahinter.


Auf etwa 2.500m Höhe wird es zunehmend ungemütlich. Ein kräftiger eisiger Südwestwind schiebt zwar etwas, lässt aber die Gliedmaßen erstarren. Hinten links in den Regenwolken ist jetzt auch der Pico del Veleta zu sehen, rechts vor uns der Mulhacen.


Es folgt die einzig nennenswerte Weggabelung der gesamten Strecke: Links geht es hinunter zum Refugio Poqueira, geradeaus ist der Weg zum Pico del Veleta und rechts geht es zum Mulhacen hoch, entweder als Direttissima-Wanderweg oder etwa zweihundert Meter weiter hinten auf der alten Fahrspur.


360° Ansicht der Kreuzung


Und dann das! Das wusste ich nicht. Auch das Schild weiter hinten am Fahrweg ist eindeutig: Hier sind Mountainbiker unerwünscht. Lediglich der Weg geradeaus zum Veleta ist ausdrücklich für Biker freigegeben.

Wenn ich weitergefahren wäre, hätte ich vielleicht folgendes formuliert:


Der alte breite Weg ist stellenweise noch gut fahrbar, aber an vielen Stellen auch so stark steinig und steil, dass man kaum noch fahrend vorankommt.


Blick hinunter auf den Weg zum Veleta. Im Hintergrund und über mir braut sich leider das schlechte Wetter zusammen, das sich gleich über mich ergießen will.


Es zeigt sich der lang gezogene Gipfelrücken des Mulhacen. Der Weg zieht sich in die Länge und von hier sind es immer noch mehrere hundert Höhenmeter.


Jetzt schlucken mich die sehr feuchten Wolken und lassen nicht mehr los.


Es wird brenzlig. Der Weg wird immer steiniger und ist kaum noch erkennbar. Es ist dazu eisig kalt und Hagel- und Schneefall setzen ein. Mein sündhafter teurer Garmin meldet "Akku alle" und mein Handy geht in der Kälte auch nicht mehr an.


Engel links, Teufel rechts liefern sich mittlerweile einen erbitterten Wettstreit: Hier sind im Windchill Temperaturen deutlich unter null Grad, ich kühle massiv aus und das Wetter wird noch schlechter werden. Der Weg nach oben und zurück ist jetzt schon nicht mehr erkennbar. Wenn der Boden erst schneebedeckt ist, wird die Orientierung noch schwieriger. Meine technischen Geräte lassen mich im Stich, ohne GPS finde ich den Weg nicht in dieser Nebelsuppe. Der Hauptwanderweg ist weiter oben. Wenn mir was passiert, findet mich hier kein Mensch und ich bin eigentlich ohnehin unerlaubt unterwegs. Andererseits fehlt der Mulhacen noch in meiner kleinen feinen Sammlung und das ist womöglich der höchste Punkt Europas, den man mit dem Mountainbike erreichen kann - also geht's weiter...


Aber man wird älter, weiser und die Vernunft siegt letztendlich doch...


Abbruch auf 3.250m Höhe - bis zum Gipfel fehlen etwa 230 Höhenmeter auf 1,5 Kilometer Distanz


360° inmitten der Schneewolken


Erst nach 36 Stunden Schneefall öffnet sich erstmals wieder die Wolkendecke über Capileira uund zeigt oben links die Spitze des Pico del Veleta. Nach zehn Tagen Tauwetter folgt bei deutlich besserem Wetter der Angriff auf den Veleta von Süden aus. Der Weg ist im unteren Teil identisch mit dem Mulhacen-Anstieg. Siehe hier: Pico del Veleta


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